Poets Of The Fall in Köln: Ein Wiedersehen mit „Carnival Of Rust“
20 Jahre „Carnival Of Rust“ – das feiern Poets Of The Fall derzeit mit einer eigenen Jubiläumstour. In Deutschland fiel die Auswahl allerdings ziemlich übersichtlich aus: Gerade einmal zwei Shows standen auf dem Tourplan. Nach Hamburg ging es am Mittwochabend in die Kantine nach Köln – und dort wartete ein seit Wochen ausverkauftes Haus auf die Finnen.
Entspannter Start in einen ausverkauften Abend
Davon war beim Einlass zunächst erstaunlich wenig Stress zu spüren. Um 19:00 Uhr öffneten sich die Türen, die Schlange davor hielt sich in Grenzen und auch danach ging es zügig voran.
Schon rund eine halbe Stunde später war die Kantine trotzdem gut gefüllt. Während sich die ersten Besucher ihre Plätze vor der Bühne sicherten, verteilte sich der Rest noch ziemlich entspannt zwischen Merch und Getränken.
Dass die Show bereits seit Wochen ausverkauft war, merkte man wenige Minuten vor dem Auftrtitt des Hauptact. Dass hier gleich ein volles Haus zusammenkommen würde, fühlte sich beim Einlass dagegen deutlich entspannter an.
Rabbit Cult eröffnen den Abend
Bevor der eigentliche Jubiläumsabend beginnen konnte, gab es allerdings erst einmal ein kleines finnisches Kontrastprogramm.
Rabbit Cult dürften vor diesem Abend nicht jedem im Publikum ein Begriff gewesen sein. Das Duo besteht aus Salla-Marja und Marianne und beschreibt seine Musik selbst als „Bunnymetal“. Dahinter steckt eine Mischung aus elektronischen Sounds, Pop und Metal, ergänzt um ein Instrument, das vermutlich ebenfalls nicht jeden Tag auf deutschen Konzertbühnen auftaucht.
Salla-Marja spielte neben ihrem Gesang eine Kantele, ein traditionelles finnisches Saiteninstrument. Allein optisch passte das Ganze hervorragend zum Auftritt: Hasenohren, auffällige Outfits und eine rosafarbene Kantele sind schließlich nicht unbedingt das klassische Support-Programm.
Musikalisch lagen zwischen Rabbit Cult und Poets Of The Fall durchaus ein paar Meter. Trotzdem funktionierte der Auftritt gerade durch seine etwas schräge, charmante Art. Das Duo nahm sich selbst nicht zu ernst und sorgte damit für einen unterhaltsamen Start in den Abend.
Willkommen zurück
Danach änderte sich die Atmosphäre deutlich.
Als die Poets Of The Fall pünktlich die Bühne betraten, wurden sie mit lautem Applaus empfangen. Im Publikum tauchten vereinzelt selbstgemachte Banner auf, mit denen Fans die Band unter anderem mit einem „Schön, dass ihr zurück seid“ begrüßten. Und viel Anlaufzeit brauchte anschließend niemand mehr.
Vom ersten Ton an war das Publikum da und die Band nahm diese Stimmung direkt auf. Lange Ansagen gab es kaum. Stattdessen folgten die Songs meist ohne größere Unterbrechungen aufeinander, unterbrochen nur von kurzen Sätzen in Richtung Publikum.
Marko Saaresto suchte dabei immer wieder die Nähe zu den Fans. Der Sänger kam regelmäßig weit nach vorne an den Bühnenrand – in der Kantine keine allzu große Hürde, denn die vergleichsweise niedrige Bühne bringt Band und Publikum ohnehin ziemlich nah zusammen.
An diesem Abend gab es auch einen Fotograben, sehr zur Freude für uns Fotograf:innen. Da dies mein erster Besuch in der Kantine war, kann ich natürlich nicht beurteilen, wie es sonst geregelt ist. Aber, auf den zahlreichen Fotos im Internet sieht man hier in der Location auch häufiger keinen Graben.
20 Jahre „Carnival Of Rust“
Natürlich stand der Abend ganz im Zeichen eines Albums, das 2026 seinen 20. Geburtstag feiert. „Carnival Of Rust“ erschien 2006 und gehört bis heute zu den wichtigsten Veröffentlichungen von Poets Of The Fall.
Die Jubiläumstour bestand allerdings nicht einfach daraus, das Album einmal komplett von vorne bis hinten durchzuspielen. Stattdessen griff die Band auf unterschiedliche Phasen ihrer bisherigen Geschichte zurück und hob sich den Titelsong für ganz zum Schluss auf.
Dass dieses Jubiläum für Poets Of The Fall mehr ist als nur ein passender Anlass für eine weitere Tour, wurde gegen Ende des Abends deutlich. Saaresto richtete sich noch einmal an die Menschen vor der Bühne und erklärte sinngemäß, dass „Carnival Of Rust“ ihr Album sei – das der Fans. Ohne sie gäbe es dieses Album nicht, und ohne die Fans würde die Band heute nicht auf dieser Bühne stehen.
Nach zwei Jahrzehnten und vor einem ausverkauften Haus musste man diesen Gedanken auch nicht groß weiter erklären.
Zwei Deutschlandshows sind einfach zu wenig
Mit „Carnival Of Rust“ fiel schließlich der letzte Vorhang für einen Abend, der vor allem von der Verbindung zwischen Band und Publikum lebte.
Die Poets Of The Fall mussten dafür weder lange Reden halten noch eine riesige Produktion auffahren. Die Reaktionen waren vom ersten Song an da, Saaresto suchte immer wieder den direkten Kontakt zur ersten Reihe und spätestens seine Worte gegen Ende machten deutlich, dass diese Jubiläumstour auch für die Band selbst einen besonderen Stellenwert hat.
Und damit bleibt eigentlich nur eine Frage: Warum zum gab es in Deutschland lediglich zwei Termine? Bereits 2022, als ich die Band fast auf den Tag genau im Schlachthof Wiesbaden das erste Mal live erleben und fotografieren durfte (und da bereits alleine im Graben stand…), zeigte sich auf der Bühne eine Band, die eine wahre Spielfreude an den Tag gelegt hat. Klar, das sieht man auch bei vielen anderen Bands. Aber, nach mehreren 100 Konzerten, die ich bereits sehen und begleiten durfte, sind die Poets Of The Fall für mich etwas Besonders. Mit ihrer Musik und ihrer einzigartigen Bühnenpräsenz.
Köln zeigte jedenfalls ziemlich deutlich: da war noch Luft nach oben (was die Shows in Deutschland betrifft). Die Kantine war bereits seit Wochen ausverkauft. Für eine Tour zum 20-jährigen Jubiläum eines der wichtigsten Alben der Band hätten es deshalb gerne ein paar Deutschlandshows mehr sein dürfen.
So blieb immerhin ein ziemlich emotionales Wiedersehen – und am Ende eines Abends über „Carnival Of Rust“ natürlich genau der Song, auf den alles hinauslaufen musste. Emotional, einzigartig und immer wieder toll, die Finnen live zu erleben. Denn die können nicht nur Metal. 😉







