Pell-Mell Festival 2026 – das war der Freitag
Das Pell-Mell Festival feierte am ersten Septemberwochenende sein 20-jähriges Bestehen – und gleichzeitig seine vorerst letzte Ausgabe. Ganz verschwinden soll das Festival allerdings nicht. Erst am Samstag wandte sich das Organisationsteam dazu direkt an das Publikum und erklärte, dass es weitergehen soll. Wann, wo und in welcher Form, weiß derzeit jedoch noch niemand.
Am Freitag stand zunächst das laufende Programm im Mittelpunkt. Und das begann anders als geplant: TYNA mussten ihren Auftritt kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen. Für sie sprangen MandelKokainSchnaps ein und eröffneten damit gleichzeitig das Festival.
Kurzfristiger Auftakt mit MandelKokainSchnaps
Die 2020 gegründete Berliner Band um Frontfrau Wenke Zastrau verbindet deutschsprachigen Rock und Punk mit Synthesizer-Elementen und gesellschaftskritischen Texten. Viel Zeit, sich auf den Auftritt in Obererbach einzustellen, blieb MandelKokainSchnaps nicht. Laut ihren Social-Media-Kanälen absolvierte die Band innerhalb von wenigen Stunden gleich zwei Shows.
„Wir sind hier, um eure Schubladen zu öffnen“, lautete eine der ersten Ansagen auf der Bühne. Sichtlich erfreut, über die kurzfristige Anfrage und dass sie ihre Musik dem Publikum präsentieren durften, machen sie als erste Band direkt ordentlich Stimmung. Ein kleines technisches Problem mit einer gerissenen Saite brachte die Band jedoch nicht aus der Ruhe. Während die Saite gewechselt wurde, überbrückte Wenke die Pause mit viel Lebensfreude, Liebe und der Botschaft, dass jede genauso gut ist, wie er oder sie ist. Schließlich gab’s zum Auftakt gleich noch eine Runde Konfetti-Regen.
Der Kontakt zum Publikum endete nicht mit dem letzten Song. Nach ihrem Auftritt kamen MandelKokainSchnaps noch zum Merch und machten dort gemeinsam mit den Fans Fotos. Liebevolle Umarmungen und kurze Gespräche gab’s ebenfalls. Damit nutzte die kurzfristig eingesprungene Band ihren Besuch in Obererbach nicht nur für die Show auf der Hauptbühne.
Klare Worte spielten auch beim folgenden Auftritt von Palebloom eine Rolle. Die Kölner Band griff unter anderem das Thema Meinungsfreiheit auf und stellte dem Publikum außerdem neue Songs vor. Danach setzte Never Back Down den Nachmittag mit modernem Metalcore fort.
Auf der kleinen Moonshine Stage startete das Programm am frühen Abend mit Treptow. Die Bühne lag nur wenige Meter neben der Hauptbühne. Nach dem Ende eines Auftritts reichten daher ein paar Schritte, um direkt vor der nächsten Band zu stehen.
Generell zog sich das Thema zur Meinungsfreiheit durch den ganzen Tag, ja sogar durch das ganze Wochenende. Schließlich hagelte es erst vor wenigen Tagen Kritik zum Glücksgefühle Festival in Hockenheim. Markus Krampe hatte hier die Band Alphaville ausgeladen, da man keine politischen Äußerungen jeglicher Art auf dem Festival dulde – kurze Zeit später trat er vor die Kamera, entschuldigte sich für seinen Aussetzer und lud die Band wieder ein. Alphaville hingegen blieben standhaft und dem Event fern.
Long story short: Songs wie „Forever Young“ von Alphaville gabe es nicht nur einmal beim Pell-Mell Festival an diesen Tagen zwischen den Auftritten zu hören.
Samurai Pizza Cats reagieren sofort
Mit den Samurai Pizza Cats ging es auf der Hauptbühne weiter. Die Band zeigte sich erneut ausgesprochen gut gelaunt und feierfreudig, bewies während ihrer Show aber auch Aufmerksamkeit für das, was vor der Bühne geschah.
Frontmann Sebastian bemerkte, dass es einer jungen Frau im Publikum offenbar nicht gut ging. Er sprang direkt von der Bühne in die Menge, um sich um sie zu kümmern. Glücklicherweise war schnell wieder alles im grünen Bereich. Die Besucherin rappelte sich auf und gab selbst deutlich zu verstehen, dass das Konzert fortgesetzt werden könne.
Nach ihrem ausdrücklichen Zuruf ging die Show weiter. Der Zwischenfall dauerte nur kurz, zeigte aber, dass Sebastian trotz des laufenden Auftritts genau wahrnahm, was im Publikum passierte.
Wenig später füllte sich die Moonshine Stage bei den Venues noch einmal deutlich. Die Stuttgarter Band zog eine ordentliche Menge an Fans vor die kleinere Bühne. Durch die (fast) nebeneinander liegenden Bühnen und die aufeinander abgestimmten Spielzeiten entstand dabei keine Konkurrenz zwischen den Auftritten. Treptow, Venues und später The Narrator gab es am Freitag außerdem noch auf der Moonshine Stage zu hören und sehen.
Itchy geraten in den Wolkenbruch
Nach den Samurai Pizza Cats wurde es über dem Gelände langsam dunkel. Das lag nicht nur an der Uhrzeit, denn gleichzeitig zogen immer dickere Wolken über Obererbach auf. Pünktlich zum Auftritt von Itchy entluden sie sich schließlich über dem Festivalgelände.
Der Regenguss dauerte extrem lange, fiel dafür teilweise aber umso heftiger aus. Das Wasser floss innerhalb weniger Minuten in großen Mengen über das Gelände. Erstaunlich viele Besucher blieben trotzdem vor der Bühne stehen, suchten Schutz mit Regencapes und auch einige Regenschirme waren zu sehen. Andere suchten Schutz unter den wenigen Schirmen, die eher für sonniges Festivalwetter vorgesehen waren. Aber, sie erfüllten ihren Zweck!
Itchy zogen ihre Show auch unter diesen Bedingungen weiter durch. Sibbi ließ es sich sogar nicht nehmen, seine übliche Runde über das Publikum zu drehen. Das vermeintliche Surfbrett oder die kleine Luftmatratze, auf der er sich dabei von den Zuschauer tragen lässt, ist tatsächlich ein Gitarrenkoffer. Darauf stehend spielte er weiter Gitarre.
Nach Itchy gehörte die Moonshine Stage The Narrator. Das Finale auf der Hauptbühne bestritten anschließend Raised Fist. Von der schwedischen Hardcore-Band entstanden an diesem Abend allerdings keine Fotos mehr, da der Regen kaum nachließ.
Kurze Wege auf dem gesamten Pell-Mell Gelände
Nicht nur die beiden Bühnen lagen nah beieinander. Auch die Essensstände und die Getränketheke waren schnell erreicht, wodurch man sich auf dem überschaubaren Gelände von Beginn an problemlos zurechtfinden konnte.
Tagsüber wurden die Besucher an den Ständen schnell bedient. Erst in den Abendstunden musste für Wurst, Crêpes und Flammkuchen etwas mehr Zeit eingeplant werden. Vor allem bei den frisch zubereiteten Speisen ließ sich die längere Wartezeit leicht erklären: Die Crêpes kamen erst nach der Bestellung auf die Herdplatte, während auch die Flammkuchen frisch belegt und anschließend aufgebacken wurden. Und ja, hat sich gelohnt – für euch getestet. 🙂
Der Stimmung auf dem Gelände schadeten weder die Wartezeiten noch der heftige Regen. Viele blieben vor der Bühne, andere rückten unter den Schirmen zusammen. Das Wetter machte den Festivalfreitag deutlich nasser als geplant, die Laune ließ sich davon aber niemand vermiesen. Warum auch, Wetter gehört eben nun mal zum Festival . ganz gleich welches. 🙂
Schaut auch immer wieder mal auf der Webseite vom Pell-Mell Festival vorbei, hier wird es sicher Neuigkeiten geben, wenn fest steht, wie es mit dem Festival weitergeht.







