Paleface Swiss in Wiesbaden 2026
Ich bin zwar nicht der größte Fan von Hardcore oder Beatdown – natürlich liegt es nicht daran, dass ich bei solchen Konzerten öfter mal etwas abbekome – doch PALEFACE SWISS bringen einfach eine Energie auf die Bühne, die man live erleben muss. Unterstützt werden sie von hochkarätigem Support: aus den USA sind STICK TO YOUR GUNS dabei, aus Großbritannien STATIC DRESS. Schon aus Interviews ließ sich erkennen, dass die Tour eine größere Produktion werden würde, und ein Blick auf den Tour-Flyer bestätigte dies: viele große Venues standen auf dem Plan.
Die nahezu ausverkaufte Tour spricht für sich-offenbar der richtige Move. Als die Band den Gig in Wiesbaden ansteuerte, war die Tour bereits zu etwa zwei Dritteln vorüber-und das Beste daran: Es war Freitag. Perfekt, um mit einem so gewaltigen Konzert gebührend ins Wochenende zu starten.
Static Dress starten in den Abend als erster Support für Paleface Swiss
Den Auftakt im ausverkauften Schlachthof machte STATIC DRESS. Die britische Band um Olli Appleyard überzeugte schnell mit ihrem rohen Post-Hardcore-Sound, der einen, wenn man sich darauf einlässt, direkt in die eigene Jugend zurückversetzen kann. Seit 2018 aktiv, haben sie bereits ein Studioalbum und mehrere EPs veröffentlicht, und diese Songs packten sie in ihr halbstündiges Set. Ein wenig rätselhaft war für mich, dass bei diesem Set keine Fotografen erlaubt waren-einen wirklichen Grund dafür gab es nicht.
Das bedeutete zwar keine Closeups, aber sei’s drum: Das Publikum bekam trotzdem einen überzeugenden Auftritt zu sehen. Die Briten hatten sichtbar richtig Lust auf die Crowd. Das betonten sie nicht nur mehrfach, man spürte es auch in jeder Bewegung: Die Bandmitglieder sprangen über die Bühne und rissen das Publikum mit.
An einigen Stellen war der Sound zwar leicht unausgewogen, etwa die Stimme von Olli Appleyard, doch nach mehreren Tourstopps ist das verständlich.Trotzdem gelang es STATIC DRESS, auch jene Fans zu begeistern, die bisher noch nicht mit ihrer Musik in Berührung gekommen waren-mich eingeschlossen. Eingängige Stücke und jede Menge Energie machten den Auftritt zu einem starken Einstieg für den restlichen Konzertabend. Als STICK TO YOUR GUNS die Bühne betraten, füllte sich die Halle spürbar.
Runde zwei mit STICK TO YOUR GUNS im Support für Paleface Swiss
Kein Wunder: Die US-amerikanische Melodic-Hardcore-Band ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Szene. Interessanterweise gehörten sie zu den ersten, die das Talent von PALEFACE SWISS entdeckten, und seitdem unterstützen sich die befreundeten Band regelmäßig.
Die Truppe um Vocalist Jesse Barnett steht mittlerweile seit über 20 Jahren auf der Bühne. Die Fans feiern nicht nur den kraftvollen Sound der Kalifornier, sondern auch die oft tiefgründige Message hinter den Songs. Politische Haltung ist ein klarer Bestandteil ihrer Musik, immer wieder spiegeln sich gesellschaftliche und politische Themen in ihren Texten wider.
Barnett selbst geriet in der Vergangenheit mit seiner klaren Meinung zu internationalen Konflikten gelegentlich in öffentliche Diskussionen. Auf der Bühne hält er sich mittlerweile stärker an die kollektive Haltung der Band und konzentriert sich in seinen Ansagen darauf, die Musik und Botschaft von STICK TO YOUR GUNS zu transportieren
Das rund 45-minütige Set von STICK TO YOUR GUNS beinhaltete unter anderem die größten Hits der Band, darunter einige Songs vom etwa ein Jahr alten Longplayer „Keep Planting Flowers“. Besonders gut kamen Stücke wie ‚Against Them All‘, Nobody, Married To The Noise oder Amber beim Publikum an, das die Songs lautstark mitsang.
Für die kleineren Besucher wurde das Set stellenweise zu einer sportlichen Herausforderung: Crowdsurfer flogen aus allen Richtungen über die Bühne, hier und da bildeten sich Moshpits, und Nackenschmerzen am nächsten Tag waren vorprogrammiert. Nach dieser intensiven Darbietung hieß es für die Fans nur noch: Kräfte sammeln für den Headliner des Abends.
Paleface Swiss – der Hauptact des Abends!
PALEFACE SWISS stürmten die Bühne mit dem ersten Song ‚I Am The Cursed One‘. Entspannen war mit der Band kaum möglich-und wer wollte das bei dieser Energie schon? Mit Feuer und Gebrüll von Vocalist Zelli ging es gleich zur Sache. Gleich der zweite Song, ‚Hatred‘, haute mit Aggression und Power voll rein und zählt zu meinen persönlichen Favoriten des Abends.
Vor Kurzem hatten die Schweizer auch ihre aktuelle EP „The Wilted“ veröffentlicht, zu der die jetzige Tour stattfindet. Wer befürchtet hatte, dass die weniger bekannten Songs der EP beim Publikum weniger zünden würden, wurde eines Besseren belehrt: Egal, welcher Song gespielt wurde, das Publikum reagierte begeistert. Typisch für PALEFACE SWISS wird der Titel der Stücke zunächst einmal laut ins Mikrofon gebrüllt, ich bin devinitiv wach.
Gegen Ende des Sets überraschte die Band zudem mit einem ruhigen Akustikstück – ein Beweis, dass die Schweizer auch leise Töne beherrschen. Fun Fact: Bevor das Akustikset gespielt wurde, nahm sich Zelli noch einmal Zeit, um dem Publikum zu erzählen, wie die Band früher im Beatdown-und teils auch im Metalcore nicht ernst genommen wurde. Daraus entstand die Idee: „Wir machen einfach, worauf wir Lust haben“. In diesem Fall also ein Akustikstück, mit dem so gut wie niemand gerechnet hatte – und genau das sorgte für einen besonderen Moment im Set.
Für kurze Verschnaufpausen sorgten lediglich zwei Balladen: ‚Everything Is Fine‘ und ‚River Of Sorrows‘. Ansonsten wurde gesprungen, gekickt, bis das Publikum im Innenraum des Schlachthofs nur so schwitzte-ein kurzer Gang in die kalte Wiesbadener Nachtluft war da eine willkommene Erfrischung.
Feuerfontänen setzten die Halle fast in Brand (bitte nicht schon wieder), während Zelli unermüdlich die Energie hochhielt. Für das Feature ‚Instrument of War‘ holte die Band sich zudem Jesse Barnett von STICK TO YOUR GUNS noch einmal auf die Bühne-eine gelungene Überraschung. Nach rund 90 Minuten endete der Abend mit ‚Please End Me‘.
Ursprünglich nur ein kleines Zwischenprodukt, das die Band in etwa zwei Stunden schrieb, hat sich der Song mittlerweile zu einem echten Fan-Favoriten entwickelt und bildete einen würdigen Abschluss eines wilden Abends. Fazit: Mehr von PALEFACE SWISS, bitte – und für mich steht wohl jetzt auch der Gang zu mehr Konzerten dieser Art auf dem Plan.
Text by Jenny Richter
Fotos by Kevin Richter









