The Subways in Mannheim: Alte Songs, neue Pläne
The Subways sind seit mehr als zwei Jahrzehnten unterwegs, trotzdem gehörte die Band für mich zu den Acts, bei denen ich vor diesem Abend kaum Berührungspunkte hatte. Man hat mal den Namen und ein paar Songs gehört, aber mehr auch nicht. Entsprechend ging es ohne große Erwartungen in die Alte Feuerwache – und gerade dadurch fiel schnell auf, dass zwischen den Songs deutlich mehr passiert als nur der übliche Wechsel von einem Titel zum nächsten.
Für einen Dienstagabend war die Alte Feuerwache gut gefüllt, ausverkauft nicht ausverkauft. Das Publikum war altersmäßig bunt gemischt an diesem Abend. Aber allein die Tatsache die Alte Feuerwache mit dem Musikgenre an einem Dienstag so gut zu füllen, hat mich schon während des Support-Acts beeindruckt.
The Virginmarys eröffnen den Abend
Bevor The Subways die Bühne betraten, standen zunächst The Virginmarys auf der Bühne. Das Duo besteht aus Ally Dickaty an Gitarre und Gesang sowie Danny Dolan am Schlagzeug und spielt rund 40 Minuten.
Große Ansagen gibt es während des Sets nicht. Vor allem Danny Dolan fiel dafür umso mehr auf: Hinter dem Schlagzeug war er permanent in Bewegung und sorgt dafür, dass auf der Bühne auch ohne große Inszenierung ständig etwas passiert. Das Publikum reagiert darauf insgesamt eher zurückhaltend und bleibt über weite Strecken vergleichsweise ruhig.
Erst gegen Ende wird es etwas persönlicher. Vor dem vorletzten Song „When The Lights Go Down“ bedankt sich die Band beim Publikum, vor dem letzten Song folgt noch ein Dank an den Tourmanager. Danach ist der Platz frei für The Subways.
Für jemanden, der The Virginmarys (wie vermutlich viele an diesem Abend in Mannheim) noch nie live gesehen hat, war der Auftritt des Duos umso beeindruckender. Es ist wirklich spannend zu sehen, wie viel zwei Musiker aus ihren Instrumenten rausholen – und selbstverständlich auch, wie Ally zusätzlich den Gesangspart einnimmt.
The Subways sprechen Deutsch – zumindest ein bisschen
Schon früh machen The Subways deutlich, dass sie an diesem Abend nicht einfach nur ihre Setlist herunterspielt. Vor dem dritten Song übernimmt Bassistin Charlotte Cooper das Mikrofon und erzählt, dass The Subways zwar aus England kommen, aber immer wieder versuchen, ein wenig Deutsch zu sprechen – und das meistert sie auch richtig gut – auf Detusch!
Passend dazu folgt der Track „We Don’t Need Money to Have a Good Time“, für den es bereits seit Jahren eine Version mit deutschen Textzeilen gibt.
Auch danach bleibt es nicht bei kurzen Standardansagen. Billy Lunn, Sänger und Gitarrist der Band, nimmt sich immer wieder Zeit, einzelne Songs einzuordnen und etwas über deren Hintergrund zu erzählen.
Neue Songs und vorerst die letzte Tour
Mit „Passenger’s Side“ folgt als fünfter Song ein neues Werk. Lunn nutzt die Gelegenheit auch für einen kurzen Blick nach vorne: Die aktuelle Tour soll zunächst die letzte für eine Weile sein. Ganz von den Bühnen verschwinden The Subways allerdings nicht. Für das kommende Jahr sind Festivalauftritte geplant, gleichzeitig arbeitet die Band an ihrem sechsten Studioalbum. Ganz klar, dass es dafür ein wenig Zeit braucht.
Bislang stehen fünf reguläre Alben in der Diskografie. Das jüngste, „Uncertain Joys“, erschien 2023. Die 2025 veröffentlichte Sammlung „When I’m With You“ blickt dagegen auf die bisherige Karriere zurück und enthält zusätzlich neues Material.
Gerade weil danach zunächst keine weitere reguläre Tour geplant ist, haben The Subways für die aktuellen Shows auch ältere Songs wieder hervorgeholt, die schon länger nicht mehr Teil des Programms waren. Dazu gehört „No Goodbyes“ vom Debütalbum „Young for Eternity“ aus dem Jahr 2005.
„Mary“ und eine Geschichte aus der Zeit vor The Subways
Besonders persönlich wird es bei „Mary“. Billy Lunn erzählt, dass er den Song seiner Mutter gewidmet hat und erinnert sich dabei an die Zeit zurück, bevor The Subways ihren Durchbruch hatten.
Damals arbeitete er in einem Hotel und schrieb während der Arbeit bereits Songs im Kopf. Eines Abends kam er nach Hause und sah seine Mutter traurig auf dem Sofa sitzen. Aus genau diesem Moment entstand schließlich „Mary“.
Solche Geschichten sorgen an diesem Abend dafür, dass auch ältere Songs noch einmal einen anderen Rahmen bekommen. Gerade für jemanden, der The Subways vorher kaum verfolgt hat, liefern die Ansagen mehr Kontext als jede vorher gelesene Bandbiografie. Und genau das hat es sicher nicht nur für mich spannend und individuell gemacht.
Mehr als nur eine Setlist
The Subways hätten es sich nach so vielen Jahren problemlos und einfach machen können: Hits spielen, zwei Standardsätze dazwischen, fertig. Stattdessen erzählen Charlotte und Billy immer wieder etwas zu einzelnen Songs, zur Vergangenheit der Band und der Zukunft. Dazwischen gibt’s jede Menge Energie und Power auf der Bühne. Wo die zwei diese hernehmen, bleibt an diesem Abend ihr Geheimnis. Aber Fakt ist, wer bei dieser Bühnenpräsenz nicht mitgegangen ist, der hat eindeutig etwas verpasst!
Und genau dieser Mix aus Musik, Geschichten und der einmaligen Energie auf der Bühne machte den Abend letztlich interessanter, als ich vorher erwartet hatte. Nicht jeder Song landet automatisch im eigenen musikalischen Beuteschema, aber genug Momente bleiben hängen, um nach der Show deutlich mehr über diese Band zu wissen als vorher.
Deshalb auch stets meine Empfehlung an alle: Seid auch mal offen für neue Bands, Musik und Genre, mit denen ihr vielleicht bisher wenig anfangen konntet. Es könnte sich lohnen. 🙂
The Virginmarys, Alte Feuerwache Mannheim, 20.10.2026
The Subways, Alte Feuerwache Mannheim, 20.10.2026
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