Peter Heppner akustisch: Ein Konzert, bei dem die Stimme im Mittelpunkt stand
Manchmal braucht es weder eine aufwendige Bühnenshow noch große Inszenierungen, um einen Konzertabend besonders zu machen. Peter Heppner hat bei seiner aktuellen Akustik-Tour wieder einmal gezeigt, dass seine unverwechselbare Stimme und die Geschichten seiner Songs vollkommen ausreichen. Rund anderthalb Stunden lang führte er gemeinsam mit seiner Band im Mannheimer Capitol durch ein Programm, das sowohl seine Solokarriere als auch die Wolfsheim-Jahre aufgriff.
Wenige Worte, viel Musik
Wer auf ausgedehnte Ansagen oder große Geschichten zwischen den einzelnen Songs gehofft hatte, musste sich an diesem Abend mit eher kurzen Wortbeiträgen begnügen. Peter Heppner und seine Band konzentrierten sich auf die Musik und spielten das Programm weitgehend ohne größere Unterbrechungen durch.
Auch auf der Bühne ging es ausgesprochen ruhig zu. Große Bewegungen oder ständige Positionswechsel gab es nicht. Bei einem Akustikkonzert wie diesem ist das allerdings auch nicht unbedingt zu erwarten. Vielmehr bot der zurückhaltende Rahmen den Songs die Gelegenheit, ihre Wirkung ganz ohne Ablenkung zu entfalten.
Gerade Heppners markante, tiefe Stimme profitierte von den reduzierten Arrangements. Viele seiner Stücke leben ohnehin von einer gewissen Melancholie, die in dieser Form noch deutlicher zum Vorschein kam. Statt großer Effekte standen die Musik und die Emotionen im Vordergrund.
Wolfsheim-Klassiker und ein überraschender Ausflug zu Depeche Mode
Musikalisch führte der Abend durch unterschiedliche Phasen von Heppners Karriere. Neben seinen Solostücken fanden auch mehrere Songs aus seiner Zeit mit Wolfsheim ihren Platz im Programm. Mit „Once in a Lifetime“, „Künstliche Welten“ und „The Sparrows and the Nightingales“ waren gleich mehrere Titel dabei, die viele Fans seit Jahrzehnten begleiten.
Eine kleine Besonderheit hatte sich die Band noch aufgehoben. Heppner erzählte, dass dies bereits ihre dritte Akustik-Tour sei und sie bei jeder dieser Tourneen einen Song ins Programm aufnehmen, den sie nicht selbst geschrieben haben.
Dieses Mal fiel die Wahl auf „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode. In der Regel erklärt Peter auch immer, warum sie den jeweiligen Song ausgewählt haben. Dies war aber an diesem Abend nicht notwendig, da der Song, wie Peter es ankündigte, für sich selbst spricht. Das etwas längere Intro ließ zunächst noch nicht erkennen, welcher Song folgen würde. Als Heppner schließlich die ersten Zeilen anstimmte, war die Begeisterung im Publikum entsprechend groß. Der Klassiker funktionierte auch in dieser Interpretation und passte erstaunlich gut zu Heppners Stimme.
„Die Flut“ bekommt eine ganz andere Wirkung
Zu den emotionalen Momenten des Abends gehörte auch „Die Flut“. Der Song, mit dem Peter Heppner gemeinsam mit Joachim Witt Ende der 1990er-Jahre einen großen Erfolg feierte, lebt im Original von seiner gewaltigen musikalischen Präsenz.
In der Akustikversion zeigte sich dagegen eine andere Seite des Stücks. Die ruhigere Version rückte den Text und Heppners Gesang stärker in den Mittelpunkt. Dadurch entstand eine deutlich intimere Atmosphäre, die dem Song auch fast drei Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Bedeutung nimmt.
Gerade angesichts des aktuellen Weltgeschehens wirkten einige der Zeilen noch einmal besonders nach. Ein Song, der ohnehin nie besonders „leichte Kost“ war, bekam in diesem reduzierten Rahmen eine zusätzliche emotionale Ebene.
Standing Ovations und „Kein Zurück“ zum Abschluss
Dass das Konzept beim Publikum ankam, zeigte sich spätestens gegen Ende des Konzerts. Nach rund anderthalb Stunden ohne großes Brimborium gab es Standing Ovations für Peter Heppner und seine Band.
Als Zugabe durfte schließlich auch „Kein Zurück“ nicht fehlen. Der Wolfsheim-Klassiker bildete einen passenden Abschluss für einen Abend, an dem viele Songs durch ihre akustischen Arrangements noch einmal eine andere Wirkung entfalten konnten.
Peter Heppner hat mit dieser Tour nicht versucht, seine Musik neu zu erfinden. Das muss er auch gar nicht. Stattdessen hat er den Songs Raum gegeben und sich auf das konzentriert, was seine Konzerte seit Jahren ausmacht: seine Stimme. Und manchmal ist genau das alles, was es für einen wirklich guten Konzertabend braucht. Das Heppner nicht nur mit seiner Band „laut“ (wie beispielsweise 2019 im MS Connexion Mannheim) sondern auch leise kann, hat er hier wieder einmal eindrucksvoll gezeigt.
Umso beeindruckender auch, wie das recht bunt gemischte Publikum fast komplett darauf verzichtete, die Handys zu zücken. Klar, einen kleinen Moment wollte so mancher Besucher doch festhalten. Aber ein „Dauerfilmen“ gab es an diesem Abend in der kleinen Runde im Capitol Mannheim nicht und machte das Konzert so noch einmal zu einem wirklich besonderen Abend.







