The Dark Tenor – Christmas (Deluxe Version) Review

Ganze 22 Songs haut der Billy aka The Dark Tenor da raus. Neben den klassischen Weihnachtsliedern, die vermutlich heutzutage eher die Erwachsenen, als jedes Kind, kennen, gibt’s auch einige Bonus-Tracks. Dazu aber gleich noch mehr. Fakt ist, das ursprünglich bereits 2020 erschienene Album hat seine Kapazität verdoppelt. Soll ja Künstler geben, die hauen ihre Alben raus, in dem sie die Scheiben „remastern“ und der Freundlichkeit halber einen neuen Song dazu packen. Nur um ein paar Euro zu machen. Aber hier wird dem Fan auf dem Christmas Deluxe Album auch richtig was geboten.

Spätestens seit dem Sommer 2021 wissen Fans, dass Billy es nicht nötig hat, seine Fans abzuzocken. So spielt er regelmäßig in seinem Wohnzimmer live – ohne Paywall. Wer zahlen will zahlt, wer nicht – nicht. Da können sich mal einige (internationale) Stars ein Beispiel dran nehmen.

Zurück zum Album.

Auf dem normalen Christmas-Album gab es bereits einen Song zu hören, den man eigentlich gar nicht mehr hören will, weil er einen so dermaßen in den Casting-Shows genervt hat: „Hallelujah“ (im Original von Leonard Cohen). Aber stop, hier gibt’s kein Ohrenbluten. Hat ja Gründe, warum The Dark Tenor den Song mit auf’s Album genommen hat und seit Jahren singt – weil er’s kann.

„Ave Maria“, „Silent Night“ (vielen besser bekannt als „Stille Nacht“, was es aber auch gleichzeitig auf deutsch zu hören gibt), „Sind die Lichter angezündet“ und „O du Fröhliche“ sind sicher bei dem ein oder anderen an Weihnachten gelaufen. Aber, in der Version von Neunzehnhundert… irgendwann, die euch bereits zu den Ohren rauskommt oder mit modernem und richtig gutem Gesang? 😉 Nein? Dann holt das doch gerne mal nach mit dem Christmas Album von Billy Andrews.

Und wer so gar keine Lust auf die üblichen 0815 Weihnachtslieder hat, für den gibt es auf der Christmas Deluxe Version noch ein paar Songs mehr zu entdecken. Darunter auch einige Live-Stücke. Und ich glaube, ich bin damit nicht alleine, wenn ich sage, dass viele Alben mit Live-Musik einfach nur gruselig sind. Was nicht zuletzt an der schlechten Akustik liegt. Das werdet ihr hier bei Billy und seinen Livesongs nicht finden. Stattdessen gibt’s gut abgemischte Live-Stücke als Bonus-Tracks, die weder unter- noch übersteuert sind oder gar von schrillem Applaus plus Gekreische gestört werden.

„Coming Home“, „Late December“ und „This is Christmas“ gibt’s als drei weitere Bonus-Tracks noch obendrauf. Und diese als ganz normale Studioaufnahmen. Wer hier jetzt aber Songs im Sinne von „When You Roar“ (aus dem Album „Johann“) oder „Mountain High“ (aus dem Album „Nightfall Symphony“) erwartet, der ist hier ein wenig falsch. Schließlich ist ein Weihnachtsalbum, egal von welchem Künstler, keine Platte bei der man sich musikalisch so austoben kann, dass der Oma das Hörgerät wegfliegt. 😉 Ich glaube aber, ihr wisst was ich meine. Wer sich eine Weihnachtsplatte kauft oder heutzutage streamt, der kriegt nun mal keine Headbanger-Musik.

Aber ein bisschen Mitwippen könnt und dürft ihr natürlich auch. Zum Beispiel zu „Winter Wonderland“. Oder einem Song, an dem man sich eigentlich (in genug furchtbaren Version) schon sattgehört hat: „Santa Clause Is Coming To Town“. Auch hier müsst ihr keine Angst vor Hörsturz haben. Weder bei euch noch bei Oma. 😉

Und das ist auch gut so. Wer abwechslungsreiche Musik mit grandioser Stimme mag, der ist beim Dark Tenor sowieso richtig. Und wer jetzt noch Weihnachtsmusik mag, naja, der hat eigentlich nichts falsch gemacht mit dem The Dark Tenor – Christmas (Deluxe Version) Album.

Billy Andrews versteht es, Songs, an denen man sich eigentlich schon sattgehört hat, zu seinen eigenen zu machen (nicht nur auf dem Christmas Album). Und auch als Tenor klingt er nicht wie die, mit Verlaub, langweiligen älteren Herren, die das Publikum ü60 anziehen. Was ja keinesfalls ein Vorwurf ist. Musik soll ja Menschen in jedem Alter begeistern.

Und wenn man nun im Jahr 2021 und bald 2022 auch noch jüngere Menschen ein wenig für die Klassik begeistern kann, weil sie nicht ver- und angestaubt ist, sondern modern und gelegentlich mit der E-Gitarre aufgemotzt wird – warum nicht?

In diesem Sinne #KlassikIstGeil #KlassikRebellen

Ani

Ani, 36, Fachinformatikerin. Hat concertvisions.net 2015 gegründet, fotografiert und schreibt aber schon einige Jahrzehnte länger. Kann sich Dinge merken, von denen andere nicht mal wussten, dass sie existieren. Manchmal auch hartnäckig wie eine Briefmarke - bleibt so lange an einer Sache dran, bis sie am Ziel ist.