Megadeth – Megadeth 2026 (2026)
Auch wenn die Ankündigung des letzten MEGADETH-Albums nicht völlig überraschend kam, wirkte sie dennoch wie ein leiser Schlag – ein Ende, das man kommen sah, aber nicht fassen konnte. Seit der Gründung 1983 durch Dave Mustaine hat die Band den Thrash Metal geprägt wie nur wenige, ihre Riffs und Arrangements sind zum Klangbild einer ganzen Generation geworden. Nun neigt sich diese außergewöhnliche Karriere dem Ende zu. 16 Alben hinterlassen eine Spur aus Meisterwerken, darunter Klassiker wie Peace Sells… But Who’s Buying, Countdown to Extinction und Youthanasia – Songs, die noch immer wie zeitlose Monumente über dem Genre thronen. MEGADETH verabschiedet sich nicht abrupt, sondern hinterlässt ein musikalisches Vermächtnis, dessen Nachhall lange nachklingt.
Für das finale MEGADETH-Album versammelte Dave Mustaine ein starkes Line-up:
Teemu Mäntysaari an Lead-, Rhythmus- und Akustikgitarre, James LoMenzo am Bass und Dirk Verbeuren am Schlagzeug. Gemeinsam schufen sie ein Werk, das sowohl vertraut als auch kraftvoll wirkt–ein musikalisches Statement, das den Charakter der Band in jedem Takt widerspiegelt. Den Auftakt macht ‚Tipping Point‘, das zugleich als Lead-Single fungiert. Schon die ersten Sekunden ziehen den Hörer in einen klassischen MEGADETH-Sound hinein: galoppierende Rhythmen, scharf gezeichnete Gitarrenleads und Mustaines markanter Gesang. Sein unverwechselbarer Stil ist längst untrennbar mit der Identität der Band verbunden, und seine Fähigkeiten an der Gitarre bestätigen einmal mehr, warum er zu den prägendsten Figuren des Thrash Metal zählt.
‚Tipping Point‘ ist ein idealer Einstieg in das Album – energiegeladen, treibend und zugleich präzise in seiner Komposition. Daran anschließend folgt ‚I Don’t Care‘, das den Schwung nahtlos fortführt, den Hörerinnen und Hörer weiter durch die vertraute, doch niemals vorhersehbare Klangwelt von MEGADETH trägt. Schon hier zeigt sich: Auch im letzten Kapitel ihrer Karriere gelingt der Band eine Mischung aus Tradition, Virtuosität und ungebrochener Intensität. Dieser Song offenbart die subtilen Punk-Einflüsse, die tief im metallischen Sound von MEGADETH verwurzelt sind, und fungiert zugleich als lyrisches Spiegelbild von Dave Mustaines musikalischem Werdegang. Hier wird deutlich, was die Band seit jeher auszeichnet: ein kompromissloses Festhalten an der eigenen Vision.
Mustaine tat, was er für richtig hielt, und ging konsequent seinen eigenen Weg – unabhängig von Trends, Erwartungen oder äußeren Zwängen. Diese persönliche, unbeirrbare Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Jeder Song atmet diese individuelle Entschlossenheit, jede Passage ist durchzogen von einer klaren künstlerischen Linie. Das Ergebnis ist ein Werk, das nicht nur die musikalische Handschrift Mustaines trägt, sondern auch die Essenz von MEGADETH als Band in konzentrierter Form präsentiert: kompromisslos, eigenständig und intensiv.
„Ride the Lightning“ im neuen Glanz
Eine besondere Überraschung des Albums ist die neue Version von ‚Ride the Lightning‘, eine der epischsten Thrash-Metal-Hymnen aller Zeiten. Ursprünglich schrieb Mustaine den Song gemeinsam mit James Hetfield, Lars Ulrich und dem legendären Cliff Burton, und er prägte das zweite Album von METALLICA entscheidend.
Nun, in dieser Neuinterpretation, wird erneut deutlich, wie stark Mustaines eigene Handschrift in diesem Klassiker verankert ist. Sein markanter Gesang verleiht der Neuaufnahme eine neue Dringlichkeit, während die Riffs und Arrangements die ursprüngliche epische Energie bewahren. Es lassen sich Parallelen zu späteren Meisterwerken wie „Peace Sells… But Who’s Buying“ erkennen, und die Entscheidung, ‚Ride the Lightning‘ in das Album aufzunehmen, erweist sich als vollkommen gelungen.
Die Version wirkt wie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, ein Moment, in dem die Wurzeln des Thrash Metal hörbar lebendig bleiben, gleichzeitig aber in Mustaines heutiger Vision neu aufleuchten. Eine weitere Single des Albums trägt den Titel ‚Let There Be Shred‘, ein Name, der vermutlich von AC/DCs legendärem ‚Let There Be Rock‘ inspiriert ist und bereits ankündigt, was man erwarten kann.
Von den ersten Takten an entfaltet der Song ein rasantes, unaufhaltsames Tempo, in dem Mustaines Gitarrenspiel kompromisslos in den Vordergrund tritt. Die Komposition verbindet rohe Härte mit überraschender musikalischer Finesse. Jeder Riff, jeder Lauf und jede Wendung wirkt durchdacht, zugleich aber von einer spürbaren Leidenschaft getragen. ‚Let There Be Shred‘ ist ein Paradebeispiel für Mustaines Fähigkeit, technische Virtuosität und energetische Direktheit zu vereinen – ein Song, der sowohl den Thrash-Metal-Puristen begeistert als auch den Respekt für die handwerkliche Präzision der Band vertieft.
Nach diesen wuchtigen Musikalischen Attacken des Albums fordert ‚Puppet Parade‘ den Hörer dazu auf, innezuhalten und genau hinzuhören. Der Song entfaltet seine Tiefe erst nach und nach: Facettenreiche Strukturen, subtile Nuancen und ein Chorus, dessen Brillanz sich nicht sofort erschließt, machen ihn zu einem nachdenklichen Moment inmitten der energiegeladenen Tracks. Direkt im Anschluss schlägt ‚Another Bad Day‘ wieder eine rockigere Richtung ein. Mit feurigen Gitarrensoli und einem klaren, treibenden Rhythmus ist der Song ein Paradebeispiel für den klassischen MEGADETH-Sound. Vom ersten Ton an vermittelt er Drive und Charakter, während sein rockiger Grundton das Stück von Anfang bis Ende trägt.
Nahtlos geht er in das aggressive ‚Made to Kill‘ über, und die Band beweist erneut ihre Fähigkeit, verschiedene Klangwelten miteinander zu verweben, ohne den roten Faden zu verlieren. Diese Sequenz zeigt die Balance zwischen technischer Präzision, atmosphärischer Tiefe und brachialer Energie – ein Beweis dafür, dass MEGADETH selbst im letzten Album noch spielerisch zwischen Härte und Melodie navigiert.
‚Made to Kill‘ bündelt all die Markenzeichen, die MEGADETH seit Jahrzehnten auszeichnen. Wütende, präzise Riffs treiben den Song voran, während die knallharte Rhythmussektion einen unaufhaltsamen Puls erzeugt. Mustaines teuflische Vocals setzen dem Ganzen die Krone auf und verkörpern die rohe Energie und Aggression, die den Thrash Metal seit jeher prägen. Der Track wirkt wie ein komprimiertes Statement der Band: kompromisslos, intensiv und direkt. Jede Note, jeder Schlag und jeder Schrei vermittelt die pure Essenz dessen, was MEGADETH ausmacht – ein musikalisches Inferno, das den Hörer packt, durchschüttelt und zugleich fasziniert. In dem Track zeigt sich, dass die Band auch auf ihrem letzten Album nichts von ihrer Durchschlagskraft eingebüßt hat.
MEGADETH – jahrelange Stiltreue
MEGADETH ist seinen Wurzeln stets treu geblieben, und Dave Mustaine hat seinen musikalischen Kurs über die Jahre kaum verändert. Dennoch gelingt es der Band immer wieder, kleine Anpassungen, Wendungen und Nuancen einzuflechten, die jedes Album zu einem eigenständigen musikalischen Erlebnis machen. ‚Obey the Call‘ gehört zu den Tracks, die leicht aus der üblichen Formel ausbrechen. Wie bereits ‚Puppet Parade‘ entfaltet sich seine Wirkung erst nach mehreren Durchläufen: Man muss den Song hören, ihn erleben, um die Feinheiten und versteckten Momente wirklich zu erfassen. Dennoch bleibt er im Kontext des Albums einer der schwächeren Momente – ein Stück, das solide gespielt ist, aber nicht die gleiche Intensität oder Brillanz erreicht wie die stärkeren Tracks rundherum.
Auch hier zeigt sich jedoch die Band in einer Phase des Experimentierens im Kleinen, ein Hinweis darauf, dass MEGADETH selbst im letzten Kapitel bereit ist, Nuancen und neue Facetten auszuprobieren. ‚I Am War‘ fungiert fast wie ein Gegenstück zu den zuvor besprochenen Tracks. Geradlinig, direkt und ohne versteckte Schichten, bringt er die rohe Energie von MEGADETH auf den Punkt, ohne sich in musikalischen Spielereien zu verlieren. Er ist prägnant, intensiv und erinnert daran, warum die Band über Jahrzehnte hinweg zu den unangefochtenen Größen des Thrash Metal gehört.
Ganz anders präsentiert sich ‚The Last Note‘, das den Abschluss des Albums und damit der Karriere der Band markiert. Melancholisch und doch noch einmal das volle Thrash-Metal-Biest entfesselnd, ist der Track ein bittersüßer Schlusspunkt. Jede Gitarrenlinie, jeder Schlag und jeder Growl von Mustaine trägt die Erinnerung an 43 Jahre Bandgeschichte in sich. ‚The Last Note‘ ist mehr als ein Song – es ist eine Hommage, ein bewegender Abschied, der die Errungenschaften, die Höhen und Tiefen sowie die unverwechselbare DNA von MEGADETH in einem letzten musikalischen Atemzug zusammenfasst. Für langjährige Fans ist es fast unvorstellbar, dass dies wirklich das Ende sein soll – ein letzter Song einer Band, deren Klang man von ihrem Debütalbum bis heute verfolgt hat, die Generationen geprägt und das Genre mitgeformt hat. Es ist ein Abschied, der gleichermaßen wehmütig und ehrfurchtgebietend ist, ein letzter, unverkennbarer Schlag der Thrash-Metal-Legende.
Fazit: Abschied einer Ära
Es ist schwer, dicht und facettenreich, aggressiv und zugleich emotional–ein Werk, das die Essenz der Band in all ihren Facetten einfängt. Jeder Track atmet die kompromisslose Energie, die Mustaine und seine Mitstreiter über Jahrzehnte geprägt haben, und dennoch trägt das Album auch die Melancholie des Abschieds in sich. „Megadeth“ ist mehr als nur ein Album; es ist eine Ode an den Thrash Metal, ein Spiegel der Karriere einer der einflussreichsten Bands des Genres und gleichzeitig ein bewegender Abschied von einer Ära, die Millionen Fans geprägt hat.
Mit kraftvollen Riffs, unvergesslichen Melodien und einer unverwechselbaren Handschrift hinterlässt die Band ein musikalisches Vermächtnis, das über das letzte Album hinaus nachhallen wird. Danke, MEGADETH, für die Musik, die Klassiker und die unvergesslichen Momente – ein Schlusspunkt, der die Band würdig ehrt und in dem die Kraft des Thrash Metal noch einmal voll entfaltet wird.
Text by Jenny Richter
Tracklist
1. Tipping Point2. I Don’t Care
3. Hey, God?!
4. Let There Be Shred
5. Puppet Parade
6. Another Bad Day
7. Made to Kill
8. Obey The Call
9. I Am War
10. The Last Note
11.Ride The Lightning (Bonustrack)
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